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Haltung wird nicht dadurch glaubwürdig, dass sie laut ist

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von Arne Borgards – 19. Mai 2026

Zum Deutschen Diversity-Tag wird wieder viel über Haltung, Vielfalt und gesellschaftliche Verantwortung gesprochen. Gleichzeitig erleben viele Unternehmen gerade eine zunehmende Unsicherheit: Wie politisch darf oder sollte Unternehmenskommunikation eigentlich sein? Die wichtigere Frage ist vielleicht eine andere: Wie glaubwürdig ist das, was Unternehmen kommunizieren?
 
Viele Menschen erwarten heute mehr als reine Produkt- oder Arbeitgeberkommunikation. Themen wie Vielfalt, gesellschaftlicher Zusammenhalt, mentale Gesundheit oder demokratische Grundwerte spielen gerade für jüngere Generationen eine deutlich größere Rolle als noch vor einigen Jahren. Gleichzeitig hat aber auch die gesellschaftliche Polarisierung zugenommen. Unternehmen bewegen sich deshalb stärker in einem Spannungsfeld zwischen Haltung, wirtschaftlichen Interessen und der Sorge vor öffentlicher Kritik.
 
Das bedeutet allerdings nicht, dass Unternehmen jede gesellschaftliche Debatte kommentieren sollten. Haltung wird nicht dadurch glaubwürdig, dass sie möglichst laut oder möglichst häufig kommuniziert wird. Glaubwürdig wird Haltung vielmehr dort, wo sie erkennbar mit Unternehmenskultur, Verantwortung und tatsächlichem Handeln verbunden ist.
 
Problematisch wird es immer dann, wenn Kommunikation deutlich weiter ist als die Realität im Unternehmen, also sozusagen „lauter“ ist als das tatsächliche Handeln. Mitarbeitende merken sehr schnell, ob gesellschaftliche Positionierung authentisch gemeint ist oder primär kommunikativ genutzt wird. Dann entsteht schnell Vertrauensverlust – intern oft stärker als extern.
 
Gerade im Employer Branding wird das zunehmend relevant. Viele Arbeitgeber klingen heute kommunikativ ziemlich ähnlich. Menschen suchen aber nicht nur einen Arbeitgeber, sondern ein Umfeld, mit dem sie sich identifizieren können. Eine glaubwürdige Haltung kann dabei helfen, Orientierung und Identifikation zu schaffen.
 
Wir selbst sind Unterzeichner der Charta der Vielfalt sowie der Gemeinsamen Erklärung gegen Sexismus und sexuelle Belästigung. Nicht, weil Haltung ein Kommunikationsinstrument sein sollte, sondern weil Unternehmen Teil gesellschaftlicher Realität sind – und weil es einfach richtig ist.
 
Die entscheidende Frage ist deshalb nicht, ob Unternehmen Haltung zeigen sollten. Sondern wie glaubwürdig, konsistent und verantwortungsvoll sie diese Haltung tatsächlich leben.