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Kunst 2.0

von Anne Tessmer – 22. April 2013

 

Das haben Mitarbeiter und Kunden von JP│KOM beim Art-after-Work in der Retrospektive „Half-a-Wind Show“ in der Frankfurter Schirn erlebt. Das Werk der Friedensaktivistin war „Kunst 2.0“, lange bevor Facebook & Co. unseren Alltag eroberten. Vieles, was heute die Kommunikation im Social Web ausmacht, nutzte Ono schon in den 60er Jahren in ihrer Kunst:

Interaktiv: „Get involved!“ – Yoko Onos Kunst lädt zum Mitmachen ein. Ihre „Instruction Pieces“ leben durch die Beteiligung des Rezipienten. Zum Beispiel „Moving Mountains“: Mit der Anweisung „Get lost in your dreams“ fordert sie auf, unter ein schwarzes Tuch zu schlüpfen. Damit wird der Ausstellungsbesucher selbst zum Teil des Kunstwerks.

Multimedial: Ono ist Musikerin, Zeichnerin, Poetin und Pionierin der Video-Kunst. In bewegten Bildern zeigt sie Menschen, oft aus ungewohnten Perspektiven, mal angezogen, meist nackt. Anders als im Social Web sind ihre Videos jedoch nicht kurz und schnell, sondern endlos und langsam.

Implizit: Onos Kunst will entschlüsselt werden. Die indirekte Äußerung ist typisch für die östliche High-Context-Kultur. Bedeutungszuweisung basiert auf ungeschriebenen, durch Sozialisation verinnerlichten Regeln. Ähnlich ist auch in Web-Communities die Bedeutung für Außenstehende oft nicht auf den ersten Blick ersichtlich.

Global: Onos Werke setzen sich über Kulturräume hinweg – so wie sich auch die Künstlerin zwischen Japan und den USA (in den 60ern!) bewegt hat und mit asiatischer Kaligrafie genau so vertraut ist wie mit deutscher Klassik. Werke wie „We Are All Water“ oder ein Schachspiel mit lediglich weißen Figuren heben jegliche Grenzen auf.

Flüchtig: Onos Kunst besteht im Moment der Interaktion. Danach ist sie nur noch Dokumentation des Kunstwerks. So gibt es in der Schirn viele Fotos und Videos vergangener Performances und Premieren ihrer „Instruction Pieces“. Auch die Kommunikation im Social Web ist flüchtig. Sie ist für den Moment aktuell und schnell überholt von neuen Beiträgen.

Kaum verwunderlich, dass Yoko Ono als Pionierin der Kunst 2.0 heute auch in den neuen Medien unterwegs ist, zum Beispiel auf Twitter. Und das mit 80 Jahren. Hut ab!

Uns hat die Ausstellung Spaß gemacht:

 

Mehr Impressionen vom JP│KOM Art-after-Work gibt’s in unserer Bildergalerie.